Gerty Molzen

Von Flensburg nach New York

Lieder aus 60 Jahren Bühne

 

Vielen gilt die 1990 verstorbene Gerty Molzen bis heute als die „Petuhtante“ schlechthin. Ihre „schunzigen“ Geschichten über „Flensburger Originale“ oder eine „Petuhfahrt nach Glücksburg“ sind nicht nur äußerst unterhaltsam, sondern bewahren in ihren ebenso humorvollen wie feinsinnigen Beobachtungen ein Stück Flensburger Alltagsgeschichte. Doch Gerty Molzen war weitaus mehr, als eine resolute Petuhtante. Die 1906 in Flensburg geborene Sängerin, Kabarettistin und Schauspielerin weist mit ihren 60 Jahren Bühnenerfahrung eine bemerkenswerte musikalische Karriere auf, die nun erstmals auf der CD „Von Flensburg nach New York“ in all ihren Facetten wiederentdeckt werden kann. Angefangen als klassisch ausgebildete Opernsängerin, entwickelt Gerty Molzen nach dem Zweiten Weltkrieg mehr und mehr ihr Talent für Komik, Kabarett und Parodie. Als „Gerty von der Waterkant“ schlüpft sie in verschiedene Rollen und tingelt durch das ganze Land. Musikalisch entdeckt sie das Couplet und das Chanson. Sie begleitet sich selbst am Klavier und singt humorvolle, unterhaltende, ja bisweilen kokette Texte über die Liebe und ihre Irrungen und Wirrungen. Begleitendes Thema ist dabei immer wieder das Alter, was Liedern wie „Die rote Lilly“, „Als wir Damen noch Damen waren“ oder „Mein Leben ist ein Extrazug auf allen Gleisen“ Reife und mitunter eine nachdenkliche, melancholische Note verleiht. Ihre letzte Karriere startet Gerty 1984 im Alter von 78 Jahren. Der Produzent Gerd Plez entdeckt Gerty als „Rocklady“ und nimmt mit ihr den Lou Reed- Klassiker “Walk On The Wild Side“ auf. Eine Sensation, die durch alle Feuilletons und TV-Unterhaltungssendungen führt. Als „Rock-Oma“ ist Gerty in aller Munde und tritt weltweit auf, u. a. im Londoner „Hippodrome“, im Wiener „P4“ und im New Yorker „Palladium“. Selbst David Letterman lädt sie in seine “Late Night Show“ ein. Zu ihrem achtzigsten Geburtstag bekommt die Jubilarin ein eineinhalbstündiges Portrait in der ARD gewidmet. Kurze Zeit später erhält sie „für ihre erheiternden und stärkenden Dienste am jungen und alten Volk“ das Bundesverdienstkreuz am Bande. Am 31. Juli 1990 stirbt Gerty in ihrem Haus in Glücksburg. Nachdem 2008 Gertys „Petuh-Geschichten“ in dem Buch „Bis nächster Tour!“ (Baltica Verlag) wiederveröffentlicht worden sind, ist es dem Flensburger Schifffahrtsmuseum nun in Zusammenarbeit mit dem Gerty Molzen-Experten André Schlegel gelungen, erstmals alle ihre bis dato nur auf Vinyl-Singles erschienenen Lieder, Chansons, Songs und Kabarett-Texte zusammen mit sieben weiteren bislang unveröffentlichten Live- und Demo-Aufnahmen aus dem Nachlass der Künstlerin auf einem Tonträger zu versammeln. Die Erinnerung an Gerty Molzen lebt – von Flensburg bis nach New York.

 

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